Sparen oder Retten? Die App "Too Good To Go" im Test
Die App "Too Good To Go" verspricht, übrig gebliebene Lebensmittel vor der Tonne zu retten und gleichzeitig Geld zu sparen. Doch funktioniert das wirklich?
Die App "Too Good To Go" erfreut sich wachsender Beliebtheit, wenn es darum geht, übrig gebliebene Lebensmittel vor dem unvermeidlichen Wegwerfen zu bewahren. Mit einem einfachen Konzept, das zu einem kleinen Preis eine "Überraschungstüte" aus teilnehmenden Restaurants und Geschäften anbietet, zielt die App darauf ab, sowohl den Geldbeutel als auch die Umwelt zu entlasten. Aber wie sind wir zu diesem Punkt gekommen, an dem Retten und Sparen Hand in Hand gehen sollen?
Die Anfänge der Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelverschwendung ist keine neue Erscheinung. Bereits vor einigen Jahrzehnten wurde erkannt, dass ein großer Teil der produzierten Nahrungsmittel niemals den Konsumenten erreicht. Im Jahr 2011 befand eine Studie, dass fast ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel verschwendet wird. Dies geschah in Zeiten, in denen es noch keine technisch ausgeklügelten Apps gab, die uns helfen konnten, diesen Missstand zu beseitigen. Der Fokus lag damals eher auf der Herstellung und dem Vertrieb als auf der Frage, was mit dem Überfluss geschehen soll.
Die Welle der Nachhaltigkeit
In den 2010er Jahren erlebte das Thema Nachhaltigkeit einen Aufschwung. Der Klimawandel wurde zum omnipräsenten Thema, und man traf sich bei zahlreichen Veranstaltungen, um über Lösungen zu diskutieren. In dieser Zeit entstanden viele Initiativen, um den mündigen Bürger auf die Verschwendung aufmerksam zu machen. Man könnte sagen, es war der Pfadbereiter für das, was bald folgen sollte: die Digitalisierung der Rettungsaktionen.
Die Geburt von "Too Good To Go"
Genau in dieser Atmosphäre wurde 2015 die "Too Good To Go" App ins Leben gerufen. Gegründet in Dänemark, war sie schnell in ganz Europa auf dem Vormarsch. Die Anwendung versprach, die Probleme der Lebensmittelverschwendung und der Kostensensibilität zugleich anzugehen. Ein cleverer Schachzug, der nicht nur die Umwelt schont, sondern auch das Portemonnaie der Nutzer schont. Indem man für ein Bruchteil des ursprünglichen Preises von Restaurants und Geschäften unverkäufliche, jedoch noch genießbare Lebensmittel erwerben kann, wurde "Too Good To Go" zum Liebling der Schnäppchenjäger.
Die Verlockung der Überraschungstüte
Das Konzept der "Überraschungstüte" fällt auf. Nutzer wissen im Voraus nur, woher die Lebensmittel stammen, aber nicht, was genau sie erhalten werden. Dieser Aspekt des Unbekannten hat seinen eigenen Reiz. Man könnte sagen, es ist eine kleine Expedition in die Welt der kulinarischen Reste. Allerdings macht der Effekt der Überraschung nicht alles rosig. Viele Nutzer berichten, dass sie in den Tüten oft Produkte finden, die sie gar nicht mögen oder bereits besitzen. Einige fragen sich, ob es wirklich ein „Schnäppchen“ ist, wenn am Ende das Thema „Food Waste“ nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Kühlschrank fortbesteht.
Kritische Stimmen und die Realität
Trotz oder vielleicht wegen der charmanten, wenn auch ironischen Anmutung der App, gibt es kritische Stimmen. Manchmal hört man den Vorwurf, dass "Too Good To Go" eine oberflächliche Lösung für ein systemisches Problem darstellt. Schließlich könnte man argumentieren, dass die Vertriebskette und die Arbeitsweisen von Restaurants und Geschäften grundlegend überdacht werden müssen, um langfristig eine Lösung für Lebensmittelverschwendung zu finden. Außerdem zeigt eine nicht repräsentative Umfrage, dass viele Nutzer die Lebensmittel zwar abholen, jedoch nicht die Absicht haben, diese effektiv zu konsumieren.
Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung?
Es wäre naiv zu behaupten, dass "Too Good To Go" die Lösung für alle Probleme der Lebensmittelverschwendung ist. Doch als Teil der multifacettierten Antwort auf das Dilemma der Überproduktion ist die App ein Schritt in die richtige Richtung – selbst wenn es manchmal mehr um das Retten als ums Sparen geht. Am Ende stellt sich die Frage: Retten wir wirklich die Lebensmittel oder nur unser Gewissen?
Die Unterhaltung über Lebensmittel und ihre Wertschätzung wird in Zukunft weiterhin ein heiß diskutiertes Thema sein. Der Aufruf zum Handeln in der App, der in der Welt des Überflusses vielleicht sogar ein bisschen nachhinkt, ist jedoch ein wichtiger Impuls, den man nicht unterschätzen sollte.